Mein Gesicht freut sich genauso sehr über wohltuende, entspannende Impulse und ist genauso lernfähig und wandelbar wie mein restlicher Körper – diese Erkenntnis kam überraschend spät in meinem Leben als Yogini und Yogalehrerin.
Mir war zwar immer bewusst, wie sehr ein weicher Blick und entspannte Kiefergelenke Entspannung in meiner Yogapraxis unterstützen, aber darüber hinaus habe ich mich erst nach fast 20 Jahren als Yogalehrerin mit meinem Gesicht beschäftigt.
Ich war 42, als ich in einem Winter Morgens immer öfter vor dem Spiegel stehen blieb. Mein linkes, Augenlid wirkte schwerer und hatte unschöne Dellen – und ich merkte, dass mich daran mehr berührte als nur mein Aussehen.
Mir wurde in diesem Moment einiges bewusst. Ein Teil von mir fühlte sich noch jung wie immer, doch mein Gesicht begann eine neue Geschichte zu erzählen. Gleichzeitig sah ich Spuren meiner Familie – und auch Spuren von Jahren, die anstrengend gewesen waren.
Mit der Tatsache, nicht mehr ganz jung zu sein, konnte ich mich gut anfreunden, denn ich finde älter zu werden ist ein Privileg und bringt sehr viel Schönes mit sich!
Spuren meiner Familie in meinem Gesicht zu entdecken, hatte auch etwas Schönes, aber ich wusste, dass meine Mutter und all ihre Geschwister auf Grund ihrer hängenden Augenlider verschiedene Probleme entwickelt hatten. Kopfschmerzen und Seh-Schwierigkeiten hatten sie alle irgendwann dazu gebracht, sich für eine OP zu entscheiden.
Und auch dass das Leben Spuren hinterlässt, finde ich prinzipiell schön, aber ich spürte damals sehr stark, dass es manche Dinge gibt, die ich nicht als Ausdruck in mein weiteres Leben mitnehmen möchte.
Als Yogalehrerin wusste ich schon lange, dass unser Inneres sich im Körper zeigt. Gleichzeitig wirkt auch äußere Spannung wieder nach innen zurück. Und natürlich lassen sich Muskeln verändern – auch im Gesicht.
Was mir noch nicht so klar war, war wie ich mit diesem Wissen im Gesicht ansetzen sollte, um möglichst schnell Veränderung zu sehen und zu spüren. Was ich mir wünschte, waren lebendige, bewegliche Muskeln, die ihre Lebendigkeit und Weichheit auch nach außen zeigen.
Ich begann zu recherchieren und war überrascht, wie viel Information sich im Internet zur Arbeit mit dem Gesicht finden lässt.
Invasive Methoden schieden für mich vollkommen aus, aber auch so gab es sehr viel zu entdecken.
Ich war froh um mein Vorwissen über Zusammenhänge zwischen verschiedenen Körperteilen und Strukturen.
Sonst hätte ich womöglich viel Zeit in einzelne Übungen investiert, die keinen Erfolg gebracht hätten, weil anatomisches Verständnis fehlte und nur schnelle Lösungen versprochen wurden.
Da ich meinen Körper gut kenne, habe ich auch schnell bemerkt, dass es im Gesichtsyoga sehr wichtig ist, dass wir gut darauf achten, keine Spannung in Schultern und Nacken aufzubauen oder mit einer falschen Körperhaltung zu üben.
Denn im schlimmsten Fall können sich sonst nicht nur Spannungen, sondern auch unser Aussehen verschlechtern.
Was ich lernen musste, ist zu spüren, welche Bereiche meines Gesichts ganz unbewusst überaktiv sind.
Die Gewohnheit, an der ich immer noch am stärksten arbeite, ist, meine Augenbrauen nicht zusammenzuziehen, wenn ich mich konzentriere und anstrenge.
Ohne dieses Bewusstsein würde ich vielleicht ungewollt meine Zornesfalten verstärken, während ich gleichzeitig Entspannung rund um meinen Mund einlade.
Ein anderer Bereich, in dem ich mich erst orientieren musste, war die Frage, was die verschiedenen Techniken tatsächlich bewirken.
Welche davon bringen wirklich positive Veränderung ins Gesicht?
Was würde mir wirklich helfen, mein hängendes Augenlid wieder zu straffen?
Da so vieles angeboten wird, blieb mir nichts Anderes als alles auszuprobieren und zu beobachten.
Meine Familie musste einiges mitmachen: Grimassen vor dem Spiegel, Gesichtstape am Abend und beim Frühstückstisch, den Geruch verschiedenster Gesichtspflege-Produkte, Schröpfgläser, die mich wie ein Einhorn aussehen ließen, …
Aber dank all meiner Versuche, weiß ich jetzt genau, welche Techniken mir für welche Gesichtsbereiche und Anliegen helfen.
Es war aber nicht nur meine Familie, der Veränderungen aufgefallen sind!
Schon nach relativ kurzer Zeit fiel mir auf, dass Menschen mir im Alltag anders begegneten. Es war schwer zu greifen, aber irgendetwas war anders.
Klientinnen sprachen mich darauf an, dass meine Ausstrahlung spürbarer geworden sei.
Mein Mann kam irgendwann lachend nach Hause und erzählte mir, jemand habe ihm ein Kompliment zu seiner Frau gemacht.
Sogar mein Zahnarzt bemerkte, dass sich etwas verändert hatte, und sagte, mein Kiefer sei in Bewegung.
Und auch auf der Straße hatte ich manchmal das Gefühl, dass Menschen mir länger und offener ins Gesicht blickten – vielleicht auch, weil mein eigenes Interesse für Gesichter inzwischen geweckt war und ich anderen neugieriger begegnete.
Und natürlich habe auch ich selbst Veränderungen bemerkt.
Äußerlich ist mir als erstes aufgefallen, dass sich mein Gesicht insgesamt geöffnet hat. Dass der Druck weniger wurde.
Später war es mir dann auch immer mehr möglich an Details zu arbeiten – und:
JA! Du fragst es dich vielleicht schon! Mein Augenlid ist wieder straff!